Juist September 2024

17.01.2025

Marines Getier

Zu unserer großen Überraschung trafen wir an der Bill mehrere noch lebendige Abra alba an. Ob ihr anscheinend plötzliches Auftreten Teil eines Trends ist, vermag ich nicht zu sagen, da die Art erst seit einigen wenigen Jahren unsere Aufmerksamkeit genießt. Ob sie vorher noch seltener war, oder ob wir sie nur bisher als weitere Tellmuschel abtaten, kann ich also nur spekulieren.
Sehr sicher bin ich hingegen, dass der einzige Grund, dass wir noch keine Kisten voller winziger Linsenmuscheln in der Sammlung haben, ist, dass wir erst seit kurzem nach ihnen suchen.

in weiterer außergewöhnlicher Fund ist der fast komplette kleine Strandseeigel, den ich hinter Wilhelmshöhe am Spülsaum entdeckte. Anders als Echinocardium cordatum, der häufig zu findende Herzigel, sind Strandseeigel eher Bewohner von Felsenküsten.
Auch erspähte meine Mutter am Kalfamer unsere allererste Arcopagia crassa!

Auf der Suche nach Manila Teppichmuscheln entdeckte ich im Hafenbecken leider eine Häutung einer kleinen Japanischen Felsenkrabbe. Die Art ist seit langer Zeit in der Nordsee bekannt, zieht allerdings Felsen und Austernbänke den hiesigen Sandstränden vor. Im Beachexplorer zeichnet sich ab, dass sie sich nun auch nahe Juist ansiedelt.
Ein weiterer Einwanderer, dessen Siegeszug durch die Nordsee ich beobachte, ist die Australische Seepocke Austrominius modestus. Zum ersten mal fiel sie mir im Oktober 2021 auf Amrum auf, wo ihr Vorkommen schon seit einer Weile bekannt ist. Seitdem werden alle Seepocken, die uns in die Hände fallen, kritisch gemustert - und tatsächlich, auch am Juister Strand findet sich der eine oder andere Krebspanzer mit australischer Epifauna. Sie sind hier weiterhin seltener als in der östlichen Nordsee, dem Einwanderer Hotspot der Deutschen Küste.

Auch diesen Herbst durften wir beobachten wie sich in Richtung Bill Massen von Diogenes Einsiedlern in den Prielen versammelten, um sich gegenseitig obdachlos zu machen, obwohl wir erwartet hatten, dieses eigentlich sommerliche Zusammenkommen im zu verpassen.

Landlebendes

Diesen September habe ich unerwartet ganze zwei Rehe im Hauptdorf gesehen, sowie ein Taubenschwänzchen, das mit den Hummeln um einen blühenden Strauch an der Strandpromenade konkurrierte.
In der Nähe des Rathausplatzes erklangen währenddessen unaufhörlich die bettelnden Schreie einer Jungmöwe, die vor Frankies Grill auf der Straße herumwanderte und Touristen darum anflehte, das im Fenster des Imbisses hängende Schild zu ignorieren, welches warnt, dass auch Möwen gerne Fischbrötchen essen. Vermutlich kann sie noch nicht lesen.

Wie bereits in vorherigen Jahren sieht man immer weniger Pferde auf den Straßen und Weiden - leider nicht nur, weil wir hauptsächlich im Herbst und Frühling zu Besuch sind. Die Fuhrgesellschaft HUF drohte schon Ende August 24 damit, den Kutschenverkehr zwischen Flugplatz und Dorf einzustellen: Besucher wählen offenbar immer mehr das (E-)Fahrrad oder gar nicht erst den Inselflieger, jetzt da es so viele Schiffoptionen gibt wie noch nie zuvor. Das erste mal seit langem, dass wir den Service beanspruchten als wir 2022 dank DB Verspätungen die Frisia verpassten, wird also wohl auch das letzte mal gewesen sein. Folgt die Juister Pferdekutsche dem Beispiel der Inselbahn und wird bald zu einer Sache der Vergangenheit? Schade!

Ruditapes philippinarum

Trotz bestehenden Interesses an ihnen, gingen uns nicht viele Manila Teppichmuscheln ins Netz. Nachdem wir gerade mal ein Exemplar am Strand fanden, kamen wir auch von unserer Expedition ins Watt am Hafen nur mit einer mageren Handvoll zurück. Ich kann mir nicht erklären, was diese drastische Abwesenheit erklären kann, vor allem, da ein Blick in den Beachexplorer bestätigt, dass sie auf Juist nur wenige Monate später schon wieder zahlreich herum lagen. Treibt sie der Herbst ins tiefere Wasser? Hat der Juister Vogelbestand im September besseres zu tun, als ihre Schalen für etwaige Wattwanderer an die Oberfläche zu holen? Die von uns beobachtete Dichte an Austernfischern und der Anteil an gefundenen Muscheln, die noch lebten, lassen es nicht so erscheinen. Ich bin gespannt, ob dieses Muster sich wiederholt.


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